Von Jana Sönnichsen, Q1e
Eine Woche zuvor war der Ministerpräsident zu Gast an der Hela, am 05.06.2026 empfing die Q1e als WiPo-Profil erneut einen Politiker. Allerdings war der Schwerpunkt der Diskussion dieses Mal ein anderer, denn Rasmus Andresen ist Abgeordneter des EU-Parlaments. Deswegen wurde vor allem über die Arbeit der Europäischen Union und die Zukunft Europas gesprochen.
Rasmus Andresen wurde 1986 im Ruhrgebiet geboren und wuchs in Flensburg auf. Dort besuchte er eine dänische Schule. Durch den Unterricht wurde in der Jugend sein Interesse für Politik geweckt und er begann, sich in der Jugendorganisation der Grünen zu engagieren. Besonders die sozialen Ziele und die Umwelt- und Klimapolitik der Partei überzeugten ihn. Nach der Schule studierte er in Dänemark und arbeitete im dänischen Parlament in Kopenhagen. Seit 2019 ist er Abgeordneter des Europäischen Parlaments. Dort arbeitet er vor allem zu den Themen Wirtschaft und Finanzen.
Das Europäische Parlament ist das einige direkt gewählte Organ der Europäischen Union. Es tagt nicht in Nationen, sondern in Fraktionen, wobei Rasmus Andresen Teil der „Fraktion der Grünen/Freie Europäische Allianz“ ist. Zu den Aufgaben des Parlaments zählen die Gesetzgebung, Entscheidungen über den Haushalt und die Kontrolle der EU-Kommission.
Doch warum arbeitet Rasmus Andresen auf europäischer Ebene und nicht etwa im Bundestag? Manche Probleme seien so groß, sagt er, dass Deutschland sie alleine nicht lösen kann. Deshalb brauche es die Europäische Union mit ihren Strukturen, die es ermöglichen, Ziele europaweit umzusetzen. Doch durch diese Strukturen dauern politische Prozesse häufig lange und einzelne Nationen können Gesetze blockieren, weil viele Entscheidungen einstimmig getroffen werden müssen. In den vergangenen Jahren hat vor allem Ungarn unter der Regierung von Ministerpräsident Victor Orbán auf diese Weise viele Gesetzesvorschläge verhindert. Mit der Wahl des neuen Ministerpräsidenten Péter Magyar, der eine Annäherung an die EU anstrebt, sei eine Lösung für das „größte Problem der EU“ in Sicht. Auch der Rechtsruck in vielen europäischen Ländern, bereitet Rasmus Andresen Sorgen. Denn diese rechtspopulistischen Parteien, die aktuell an Zustimmung gewinnen, stehen häufig für eine nationalistische und anti-europäische Politik.
Dieser Rechtsruck lässt sich zum Teil durch die wachsende Relevanz der sozialen Medien erklären, denn dort verbreiten sich Videos mit leicht verständlichen, populistischen Inhalten, die von Parteien an den Rändern des politischen Spektrums vertreten werden, besonders schnell. Auf die Frage, warum Parteien der politischen Mitte weniger Aufmerksamkeit in den sozialen Medien erhalten, antwortet Rasmus Andresen, dass sie sich in einer Zwickmühle befinden. Die Grünen sehen die Funktionsweise von Plattformen wie TikTok kritisch, da diese die Daten der Nutzerinnen und Nutzer sammeln und stark vereinfachte Inhalte und polarisierende Meinungen belohnen. Zudem entsteht durch die Popularität von Apps wie TikTok, Instagram und YouTube ein Machtmonopol von Tech-Firmen, das gegen das Ziel der EU spricht, sich von US-amerikanischen und chinesischen Konzernen unabhängig zu machen. Trotzdem sind die sozialen Medien ein wichtiger Kanal, besonders um junge Wählerinnen und Wähler zu erreichen. Darum bemühen sich inzwischen auch Parteien der Mitte, sich eine große Online-Plattform aufzubauen, um möglichst viele Menschen für ihre Ziele zu begeistern.
Seine wichtigsten Anliegen listete Rasmus Andresen noch einmal auf, als wir ihn fragten, wie der Kurs seiner Partei aussähe, wenn er ihn bestimmen könnte. Er möchte vor allem soziale Ziele priorisieren. Dabei nennt er z.B. bezahlbare Mieten und räumt ein, dass die Grünen dieses Thema im vergangenen Wahlkampf zu sehr der Linken überlassen haben. Auch die Vermögensungleichheit möchte er durch eine Reaktivierung der Vermögenssteuer vermindern. Wenn diese sozialen Probleme gelöst sind, glaubt Rasmus Andresen, hat die Gesellschaft die Energie für zukunftsfähige Klimapolitik.


