Jana Sönnichsen

Bildung und Demokratie waren schon immer eng miteinander verbunden. Denn nur wer sich informieren, sich ausdrücken und Kompromisse finden kann, kann sich auch eine Meinung bilden und an der Demokratie teilhaben. Doch immer wieder wird die Demokratie von politischen Extremen angegriffen. Um Aufmerksamkeit für dieses Thema zu schaffen, veranstaltete die SV in der letzten Woche vor den Sommerferien die Demokratiewoche.

Was bedeutet eigentlich Demokratie?

Wörtlich übersetzt bedeutet Demokratie „Herrschaft des Volkes“. Das heißt, dass niemand alleine über andere herrscht, sondern alle Menschen mitbestimmen dürfen, indem sie zum Beispiel Abgeordnete wählen. Zudem haben in einem demokratischen Land alle Bürgerinnen und Bürger die gleichen Rechte. Wichtige Werte in einer demokratischen Gesellschaft sind deshalb unter anderem Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit.

Was passierte in der Demokratiewoche?

In der Demokratiewoche wurden den Schülerinnen und Schülern diese Werte durch Workshops von Lehrkräften und externen Referentinnen und Referenten näher gebracht. Dabei waren die fünf Tage auf alle Jahrgänge aufgeteilt. Der Q1-Jahrgang beschäftigte sich am Donnerstag zunächst mit der politischen Bedeutung von Demokratie. Wir lernten verschiedene Demokratieverfahren kennen und wendeten sie in kleinen Rollenspielen an. Im Anschluss stellten zwei Juristen der Organisation Recht.Staat.Bildung. einen Gerichtsprozess nach. Dabei lernten wir, welche Rechte wir selber vor Gericht haben. Schließlich beschäftigten wir uns mit der Geschichte der Demokratie am Beispiel der Namensgeberin unserer Schule: Helene Lange. Denn sie setzte sich schon vor über 100 Jahren für Demokratie ein und leistete durch ihr Engagement in der Bildung einen wichtigen Beitrag zur Gleichberechtigung.

Geplant wurde die Demokratiewoche von der SV. Wie es zu der Idee kam und was sich die SV davon erhofft, beantwortet Emma aus dem damaligen Q1-Jahrgang:

Helagram (H): Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Schülervertretung (SV): Die Idee entstand während unseres Komitee Tages. Dort gibt es jedes Jahr verschiedene  Schülerkomitees, in denen sich engagierte Schülerinnen und Schüler einbringen können. Eines dieser Komitees war das Finanzkomitee, das die Möglichkeit hatte, ein Projekt zu entwickeln, das mit 400 € Fördergeldern der Sparkasse unterstützt werden sollte. Im Austausch zwischen Lavinia Speck, Clara Seifert und Li Janke entstand schließlich die erste Idee einer Demokratiewoche. Als wir uns daraufhin zusammensetzten, waren wir uns schnell einig, dass dieses Thema extrem wichtig ist und ein Projekt darstellt, das wir unbedingt umsetzen wollten — unabhängig von den 400 € Fördermitteln.

H: Warum braucht ihr dieses Projekt?

SV: Unser gemeinsamer Eindruck — geprägt durch Gespräche, Social Media und Nachrichten — ist, dass sich die Welt zunehmend in undemokratische Zustände bewegt. Politische Fronten verhärten sich, der Ton wird rauer, Hass nimmt zu, demokratische Werte geraten unter Druck. Wir wollten ein klares Zeichen setzen, dass wir als HeLa und als Schulgemeinschaft diesen Entwicklungen nicht folgen. Wir wollten zeigen: Wir stehen für demokratische Werte, Respekt und Austausch.

H: Was erhofft ihr euch davon?

SV: Wir waren uns einig: Wenn wir nur eine einzige Person erreichen, die nach diesem Tag denkt: „Krass, ja — bestimmte Parteien oder politische Strömungen sind undemokratisch und passen nicht zu meinen Werten“, dann war das Projekt bereits ein Erfolg.
Unser Ziel war es außerdem, ein gemeinschaftliches Erlebnis zu schaffen. Da jede Klassenstufe einen Demokratietag durchlaufen hat, hoffen wir, dass alle etwas Gemeinsames mitnehmen — etwas, über das sie mit Freundinnen und Freunden, Lehrkräften, Kursen und Workshopleitenden sprechen können.

H: Wünscht ihr euch, dass die Demokratiewoche jedes Jahr stattfindet?

SV: Wir möchten unbedingt, dass die Demokratiewoche nicht ausstirbt, sondern ein langfristiges Projekt bleibt. Gleichzeitig glauben wir, dass eine jährliche Durchführung an Wirkung verlieren könnte. Ein Zyklus von alle zwei Jahre erscheint uns sinnvoller.
Natürlich hängt das auch davon ab, wie zukünftige Schülervertretungen das Projekt
weiterentwickeln und welche Schwerpunkte sie setzen.

H: Wie könnte die Schule demokratische Ideen noch stärker in den Alltag integrieren?

SV: Demokratie im Alltag bedeutet vor allem: wie man miteinander spricht,
wie man Konflikte löst, wie man über Politik denkt und diskutiert, wie man zuhört, wie man respektvoll bleibt und wie man offen bleibt für andere Perspektiven.
Das wichtigste demokratische Gut ist unser Austausch. Demokratie lebt davon, dass wir informiert bleiben, offen bleiben, diskutieren, Fragen stellen und uns bewusst machen, was in der Welt passiert.