Von Jana Sönnichsen
Lange war Dr. Issifi Djibey Chefarzt in der imland-Klinik in Rendsburg, nun ist er König der Provinz Kokorou im Niger. Am Freitag, den 22.05.2026, besuchte er die Hela und stellte den Geographiekursen der Q1 sowie dem Geo-Profil des E-Jahrgangs sein Land und die von ihm regierte Region vor.
Kokorou liegt im Westen des Nigers und ist etwa so groß wie das Saarland. Obwohl Niger ein Binnenland ist und zudem 80% des Landes in der Sahara-Wüste liegen, lässt sich in Kokorou Landwirtschaft betreiben, denn die Provinz liegt direkt am Fluss Niger und umschließt zudem 25 Seen.
Als König von Kokorou ist Dr. Djibey auch mit den Problemen des Landes konfrontiert: Niger ist ein sehr armes Land, das durchschnittliche Jahreseinkommen pro Kopf beträgt ca. 700 US-Dollar. Zum Vergleich: In Deutschland verdienen Menschen im Durchschnitt rund 55.000 US-Dollar im Jahr. Durch die Armut ist die gesundheitliche Versorgung schlecht, weshalb die Lebenserwartung nur etwa 61 Jahre beträgt. Zudem wird die gesamte Region um den Niger tagtäglich von dschihadistischem Terrorismus heimgesucht. Das bedeutet, dass Terroristen durch bewaffnete Gewalt einen islamischen Gottesstaat durchsetzen wollen. Besonders seit dem Militärputsch im Jahr 2023 finden jeden Tag Anschläge statt und Dr. Djibey ist als Repräsentant des Staates und der Demokratie ein potenzielles Ziel. Darum lebt er nicht in Kokorou selbst, sondern regiert aus Rendsburg oder der Hauptstadt des Niger, Niamey.
Denn obwohl er König ist, wurde er im Februar 2026 demokratisch gewählt. Antreten konnte er jedoch nur, weil er einem königlichen Adelsgeschlecht entstammt. Zu den anderen Kandidaten gehörten deshalb auch Verwandte von Dr. Djibey. Ähnlich wie in Deutschland gab es vor der Wahl einen intensiven Wahlkampf mit Plakaten, aber auch Bestechung, denn Korruption gehört im Niger in vielen Bereichen zum Alltag. Wählen können die Oberhäupter der Dörfer in Kokorou, die in der Mehrheit für Dr. Djibey stimmten.
Damit repräsentiert er nun seine Provinz, vermittelt bei Konflikten und setzt sich für Entwicklung und Frieden ein. Als Mediziner liegt ihm besonders die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung am Herzen. Er betont aber auch, dass sein oberstes Ziel der Frieden in Kokorou und der Kampf gegen dschihadistische Gewalt sei.
Für alle Beteiligten an diesem Vortrag war der Besuch von Dr. Djibey eine informative und zugleich beeindruckende Möglichkeit, mehr über das Leben in einem Land des globalen Südens zu erfahren und den eigenen Horizont zu erweitern.


