Dayna R., 8e

blankAm Dienstag, dem 29. Oktober 2019, hatte das Helene-Lange-Gymnasium in Rendsburg Besuch von Christina Haverkamp. Am Vormittag hielt sie für die siebten und achten Klassen einen Vortrag über die Yanomami. Die Schleswig-Holsteinerin setzt sich seit über 30 Jahren für das bedrohte Naturvolk der Yanomami im südamerikanischen Regenwald ein.

Sie erzählte uns, dass die Yanomami die letzten ursprünglich lebenden Indianer in Südamerika sind. Sie leben verstreut im nördlichen brasilianischen Amazonasgebiet und im Süden Venezuelas auf einer Fläche, die ungefähr so groß wie die Schweiz ist. Sie leben noch heute im Einklang mit der Natur des Regenwaldes und besitzen eine einzigartige Kultur, die von einem außergewöhnlichen Gemeinschaftsleben geprägt wird. Die Yanomami ernähren sich von der Jagd, dem Fischfang, von Bananen und Maniok.
Christina Haverkamp erzählte uns aber nicht nur von der traditionellen Lebensweise der Indianer, sondern auch über ihre Krankheiten und die Gefahren von außerhalb. Ihre größte Gefahr sind die Goldsucher. Sie vergiften das Wasser mit Quecksilber, um Gold zu gewinnen, und zerstören damit die Lebensräume der Yanomami. Die Yanomami haben kaum Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren und erhalten von Politikern keine Unterstützung. Diejenigen, die sich den Goldsuchern in den Weg stellen, werden umgebracht.
Christina Haverkamp schilderte in ihrem Vortrag aber auch, wie sie selbst einige Male in Gefahr geriet. So erkrankte sie an Malaria, wurde ausgeraubt und von der Polizei verhaftet.

Sie besucht die Yanomami seit über 30 Jahren, in der Regel drei bis vier Monate im Jahr. Dabei hilft sie, mit Spendengeldern Krankenstationen und Klassenräume zu bauen sowie Funkgeräte zu kaufen. Mit den Funkgeräten können die Yanomami sich mit anderen Gruppen in dem riesigen Regenwaldgebiet austauschen und in Gefahrensituationen Hilfe anfordern.

Ans Aufhören denkt die 61-Jährige trotz der Gefahren noch nicht. Sie sagt, dass dies ihr Lebenswerk sei und sie erst aufhören werde, wenn sie selbst eines Tages nicht mehr in ein Flugzeug steigen könne. Sie hat auch eine Internetseite, um Spenden zu sammeln und die Öffentlichkeit zu informieren (www.yanomami-hilfe.de). Mithilfe ihrer Vorträge in ganz Deutschland sammelt sie Geld, um damit die Yanomami und deren Lebensweise zu unterstützen.
Ihr unermüdliches Engagement ist sehr beeindruckend. Christina Haverkamp zeigt uns, dass es sich lohnt, sich langfristig für etwas einzusetzen, damit so ein wichtiges Stück Kultur und ein wichtiges Stück Natur auf unserer Erde erhalten bleiben.

Interview mit Christina Haverkamp
Helene, Amelie, Jarne, 8a

Helene, Amelie und Jarne aus der Klasse 8a nutzten die Chance, nach dem Vortrag in der Aula einige
Fragen zu stellen.

Helene, Amelie und Jarne: Können Sie die Sprache der Yanomami fließend sprechen?
Christina Haverkamp: Ja, das Wichtigste kann ich, aber nicht fließend, und da es bei ihnen viele Dialekte gibt, ist die Sprache nicht einfach zu lernen. Falls ich es nicht verstehe, gibt es meistens auch einen Yanomami, der schon gut Portugiesisch oder Spanisch kann, und diese Sprachen spreche ich fließend.

Wie viele Yanomami gibt es noch?
Genaue Zahlen gibt es nicht, einige Yanomami leben isoliert, wo noch nie ein Fremder war, höchstes einmal ein Arzt. Aber Schätzungen sagen, dass es ca. 15.000 Yanomami in Venezuela und über 20.000 in Brasilien gibt.

War es nachts nicht ziemlich kalt?
Da es tagsüber 45 Grad Celsius warm ist, fühlt es sich nachts kalt an, aber wenn man auf das Thermometer guckt, sind es immer noch 20 Grad Celsius.

Wie haben sie ihr Equipment aufgeladen?
Auf dem Floß hatte ich eine Solarzelle und im Regenwald hatte ich sehr viele Akkus mit.

Wie konnte den schwer erkrankten Yanomami geholfen werden?
Bevor die Goldsucher in das Gebiet eingedrungen sind, gab es kaum schwere Erkrankungen, die der Medizinmann nicht heilen konnte.

Warum ist Brasilien ihr Lieblingsland?
Meine Lieblingsländer sind Venezuela und Brasilien, aber wegen der politischen Situation in Venezuela ist es dort für mich sehr gefährlich, da die Regierung nicht möchte, dass den Indianern geholfen wird.

Was war ihr traurigstes Erlebnis?
Das traurigste ist immer, wenn jemand stirbt, wie auch im Vortrag gezeigt, wo das Kind in den Armen seines Vaters gestorben ist.

Was hat sie in den ganzen Jahren am glücklisten gemacht?
Was mich immer am glücklichsten macht, ist, wenn eine Krankenstation fertig gebaut ist. Dann sind immer alle glücklich. Es gibt auch ein Riesenfest und am Ende dieses Festes ist immer die Frage: Christina, wann kommst du wieder?

Vielen Dank für das Gespräch.

 

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